Zur Geschichte der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft (ÖEG)
von Heinrich R. Scheffer
Ernst Krahl - Heliographie, für die Österreichische Exlibris-Gesellschaft, 1904Die Österreichische Exlibris-Gesellschaft blickt dieses Jahr auf eine 111-jährige, abwechslungsreiche und interessante Geschichte zurück. Es begann schon vor 1903 als in Wien eine "Tischgesellschaft" ins Leben gerufen worden ist, eine "freie, durch keinerlei vereinsgesetzliche Vorschriften gebundene Gesellschaft", wobei sich einige hochgestellte Persönlichkeiten lose zum Thema Exlibris treffen wollten.
Dies waren wichtige Exlibris Sammler der ersten Stunde, die schon bedeutende Sammlungen zusammengetragen haben, da das Bewußtsein wuchs, im Exlibris einen Kulturträger und eine Kunstgattung identifiziert zu haben, die mit dem Buche auf das engste verbunden ist, ja noch mehr, den Besitzer des Buches durch eine künstlerische Gestaltung des Bucheignerzeichens hervorhebt und dadurch dieses einzelne Buch zu einem Unikat macht.
Die Idee fand einen so großen Widerhall, so daß die Proponenten der Tischgesellschaft, darunter Moritz von Weittenhiller, Rudolf Höfken Ritter von Hattingsheim und von der Künstlerschaft der k.k. Hof-Wappenmaler Ernst Krahl, die Initiative ergriffen und Anfang 1903 die "Österreichische Exlibris-Gesellschaft" gründeten. Es war das Bestreben sich "in erster Linie der Erforschung und Hebung der heimatlichen Ex libris-Schätze [zu] widmen und sich [zu] bemühen, den österreichisch-heimatlichen Boden der Exlibris-Bewegung zu erschließen".
Heute, 111 Jahre später, ist von der blumigen "Hebung der heimatlichen Exlibris-Schätze" keine Rede mehr und es heißt in den Satzungen 2002 eher nüchtern, aber dem Ziel der Gesellschaft als wissenschaftliche Institution entsprechend: "... die Förderung der Exlibriskunst und der ihr verwandten Zweige der Kleingraphik in Österreich und im Ausland [...] und die Erforschung der Geschichte der Kleingraphik - insbesondere des Exlibris - und die Förderung ihrer Verbreitung in der Gegenwart".