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Abb. 4: J. Hoffmann, Exlibris für
Fritz Waerndorfer 148 x 56 mm,
reproduziert in Ver Sacrum 1903

Bisanz spielt damit auch auf das praktisch in allen Standardwerken zur Wiener Moderne abgebildete Exlibris von Josef Hoffmann an, das 1903 im Heft 6 von Ver Sacrum, gemeinsam mit anderen ornamentalen Figurationen, präsentiert wurde20 (vgl. Abb. 4). Hoffmann versah die Tuschezeichnung, deren Originalentwurf sich im Archiv der Wiener Secession befindet21, mit den Initialen F W , die von den Berliner Exlibristen irrtümlich als F M gelesen wurden, während die Wiener Kunstszene selbstverständlich wußte, daß sie für seinen Freund und Geschäftspartner Fritz Waerndorfer22 standen. Das von der Zeitschrift für Bücherzeichen als stark secessionistisch beschriebene Blatt mit Figuren à la Macintosh zeigt drei, auf Linien gesetzte stilisierte Frauenköpfe und zitiert die vom Kunstkritiker Ludwig Hevesi anläßlich der 8. Secessionsausstellung 1900 monierte eigene Weise von Margaret und Frances Macdonald, die menschliche Figur als eine steife, schlanke Hülse zu sehen [...].23





20. Vgl. Ver Sacrum (s. o. Anm. 15), 115.
21. Vgl. Marian Bisanz-Prakken: Heiliger Frühling. Gustav Klimt und die Anfänge der Wiener Secession 1895–1905, Wien, München 1999, 118f. bzw. 202.
22. Fritz Waerndorfer bzw. Wärndorfer (Wien 1868–1939 Bryn Mawr, Pennsylvania) stammte aus einer jüdischen Industriellenfamilie, die einen der größten baumwollverarbeitenden Betriebe der Monarchie besaß. Durch Hermann Bahr kam er in Kontakt mit der Secession und ihren führenden Mitgliedern wie Josef Hoffmann, Gustav Klimt und Koloman Moser. 1903 finanzierte er die Gründung der Wiener Werkstätte und zeichnete als ihr kommerzieller Direktor, bis er 1914 unter dem Druck seiner Familie, die seinen wirtschaftlichen Ruin verhindern wollte, nach Amerika auswanderte. In Amerika wurde er zunächst Farmer, arbeitete dann als Entwerfer für eine Textilfirma und begann Aquarelle zu malen, die 1927 in der Galerie Otto Nirenstein in Wien gezeigt wurden.Fritz Waerndorfer besaß eine umfangreiche und hochkarätige Kunstsammlung, die heute verstreut ist und sich an Hand von Photos und anderen Dokumenten leider nur mehr schwer rekonstruieren läßt. Von Gustav Klimt, den Waerndorfer besonders schätzte, erwarb er wichtige Werke wie z. B. die „Pallas Athene“ oder „Die Hoffnung I“. Unter anderem gehörten zu seiner Sammlung ca. 150 Briefe von Aubrey Beardsley und Arbeiten des belgischen Bildhauers und Graphikers Georg Minne, beides Künstler, die von den Secessionisten in Ausstellungen gewürdigt worden waren. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten zahlreiche graphische Arbeiten von Koloman Moser und Marcus Behmer. Zu Fritz Waerndorfer als Geschäftsführer der Wiener Werkstätte vgl. Werner J. Schweiger: Wiener Werkstätte, Kunst und Handwerk 1903–1932, Augsburg 1995; zu Waerndorfer als Kunstsammler und Mäzen vgl.: Peter Vergo: Fritz Waerndorfer as Collector, Alte und moderne Kunst, Heft 177, 26. Jg., 1981, 33–38 bzw. Hanna Egger u. a.: Ein moderner Nachmittag. Margaret Macdonald Mackintosh und der Salon Waerndorfer in Wien, Wien, Köln, Weimar 2000.
23. Ludwig Hevesi: Acht Jahre Sezession (März 1897–Juni 1905), Kritik – Polemik – Chronik. Wiederherausgegeben und einbegleitet von Otto Breicha. Reprint der Ausgabe von 1906 durch den Ritter Verlag, Klagenfurt 1984, 292.