Der Aufenthalt verlief ganz ungezwungen, so trugen die Gäste beim Abendessen keine formelle Kleidung, sondern eigens dafür entworfene Talare aus Wiener Werkstätte-Stoffen.107 Einen Höhepunkt bildeten die sogenannten „Schweindlfeste“ im Keller des Hauses („Schweindlhalle“)108, bei denen der deftigen mährischen Küche zugesprochen wurde (vgl. Abb. 16). In einem Brief vom 21. 12. 1919 schreibt Mäda Primavesi an Josef Hoffmann: Ich hoffe sie werden sich dann hier sehr gut erholen, wenn Sie mir nur lang genug bleiben. Hier schneit es bei 10 Kälte unentwegt, Sie sollen eine gute Rodelbahn finden. Lola, Hedwig und Wolfgang haben unglaublich viel gebacken, das größere Schwein ist unglaublich fett geworden und wartet auf Ihr Kommen.109

abb16 abb17
Abb. 16: Landhaus Primavesi:
Im Vordergrund stehend (von links):
Anton Hanak, Gustav Klimt, Mäda Primavesi,
Otto Primavesi (rechts außen)
   Abb. 17: Landhaus Primavesi, Kellerraum

107. Vgl. Sekler: Josef Hoffmann (s. o. Anm. 13), 130 und Friedrich Grassegger, Wolfgang Krug (Hrsg.): Anton Hanak (s. o. Anm. 39), 126.108. In der Familie hat sich die Erinnerung an diese Bezeichnung erhalten. In den Plänen ist dieser Raum für die „Rodeln“ — also für Wintersportgeräte vorgesehen. Im Keller gab es außerdem eine Kegelbahn.109. Brief von Mäda Primavesi an Josef Hoffmann vom 21. 12. 1919, Privatbesitz Margareta und Götz Primavesi.