Die österreichische Gesellschaft hat dem kleingraphischen Schaffen von Josef Hoffmann erst 1953 wieder ihr Augenmerk zugewendet. Eine Abbildung von Hoffmanns Eigenblatt J H beschließt in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Vereines den von Rudolf Hoschek-Mühlhaimb verfaßten Beitrag "Zur Geschichte der österreichischen Kleingraphik seit 1900"5. In dem dreizehnseitigen Aufsatz, der, wie der Autor selbst kritisch vermerkt, nur etwas mehr als eine flüchtige Skizze darstellt6 , erwähnt Mühlhaimb zwar, daß besonders in Österreich die Abkehr vom Historismus sich in stürmischen Suchen nach neuen Formen in schöpferischer Weise äußerte, was sich organisatorisch 1898 [sic!] in der Gründung der Künstlervereinigung Wiener Secession äußerte7, betont aber, eine Würdigung des Exlibris-Schaffens dieser Vereinigung sei hier aus Platzmangel nicht zu leisten und er müsse sich auf die Erwähnung einiger Künstler beschränken.
Hoffmann wird in dieser Aufzählung mit Koloman Moser und Alfred Roller als glänzendes Dreigestirn, das Wiener Kunstruhm in alle Welt hinausgetragen habe8, „erledigt“ und festgestellt: Es ist angesichts der bekannten Bedeutung dieser Künstler nur noch zu betonen, daß ihre Exlibris und Kleingraphiken vielleicht in erster Linie den Typus der modernen Gebrauchsgraphiken, insbesondere durch die ornamentale Behandlung, schufen9. Nach der Auflistung einiger Absolventen der Kunstgewerbeschule bzw. Künstler, die für die Wiener Werkstätte gearbeitet haben, schließt Mühlhaimb seine knapp zweiseitige Einschätzung der Wiener Moderne: Zusammenfassend darf man sagen, daß Sezession und Wiener Werkstätte in Verbindung mit den Baukünstlern und Plastikern der Sezession Wien den Stempel der Moderne aufgedrückt haben, und von diesem Standpunkte des "Neuen" soll auch ihre kleingraphische Kunst gewertet und gewürdigt werden.10

Es ist Heinrich R. Scheffer zu verdanken, daß die Österreichische Exlibris-Gesellschaft vierzig Jahre später, in ihrem Jahrbuch 1992/1993, erstmals wieder einen Blick auf die graphische Kunst der Wiener Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit wirft. Scheffer beschreibt in seinem Aufsatz Die Wiener Werkstätte und ihre Exlibriskünstler11 nach einer kurzen Einführung in die Programmatik und Geschichte der, wie die Exlibris-Gesellschaft, 1903 gegründeten Productivgenossenschaft von Kunsthandwerkern in Wien die Exlibris von Kolo und Ditha Moser, Berthold Löffler, Oskar Kokoschka, Richard Teschner, Anton Kling, Dagobert Peche, Friedrich Skurawy und Rudolf von Larisch.
5. Rudolf Hoschek-Mühlhaimb: Zur Geschichte der österreichischen Kleingraphik seit 1900, Österreichische Exlibris-Gesellschaft (Hrsg.): Österreichisches Jahrbuch für Exlibris und Gebrauchsgraphik, Festschrift zum 50-jährigen Bestand der Gesellschaft, Bd. 39, Wien 1953, 33–46.6. Hoschek-Mühlhaimb: Kleingraphik (s. o. Anm. 5), 45.7. Hoschek-Mühlhaimb: Kleingraphik (s. o. Anm. 5), 35.8. Hoschek-Mühlhaimb: Kleingraphik (s. o. Anm. 5), 36.9. Hoschek-Mühlhaimb: Kleingraphik (s. o. Anm. 5), 36.10. Hoschek-Mühlhaimb: Kleingraphik (s. o. Anm. 5), 36.
11. Heinrich R. Scheffer: Die Wiener Werkstätte und ihre Exlibris-Künstler, Österreichische Exlibris-Gesellschaft (Hrsg.): Österreichisches Jahrbuch für Exlibris und Gebrauchsgraphik 1992–1993, Bd. 58, Wien 1993, 13–33.