Ein Schüler von Berthold Löffler an der Kunstgewerbeschule und zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn unter seinem Einfluß stehend, war Oskar Kokoschka (Pöchlarn 1886-1980 Villeneuve bei Montreux, Schweiz). Er ist in seiner Bedeutung als Maler, Graphiker und Literat weit über seine Lehrer und Kollegen hinausgewachsen. Für die Wiener Werkstätte hat er nur kurz, von 1907 bis 1909, gearbeitet und war Mitarbeiter bei der "Fledermaus"- Ausstattung, hat 15 Postkarten, Bilderbögen und vor allem das mit acht Lithographien ausgestattete Bilderbuch "Die träumenden Knaben" geschaffen, das großes Aufsehen erregt hat. Das Exlibris für Emma Bacher zeigt seinen expressionistischen, für damalige Verhältnisse in Österreich sehr ungewöhnlichen und revolutionären Stil. Dieses Blatt wurde schon im Jahrbuch der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft 1909 als ein Beispiel der Kunst Kokoschkas im Original beigegeben und mit viel Vorschußlorbeeren vorgestellt:"(Kokoschka) zählt noch nicht 23 Jahre und hat schon viel für seine Unsterblichkeit getan. Er wirkt in verschiedenen Künsten und die Malerei ist keineswegs das einzige Gebiet seiner Tätigkeit. Die überaus magere Frauengestalt, die wir aus seinem blutroten Plakat der Kunstschau - (1909) - kennen, hat sich auf dem vorliegenden Exlibris verdreifacht. "In die Ecke, Besen, Besen..." Vielleicht werden wir diesen Zauberlehrling noch einmal als alten Meister verehren!" Kokoschka ist alt geworden, hat uns jedoch nur acht Exlibris hinterlassen, wobei fünf als Drucke bekannt sind, drei nur als Entwürfe.

Die obige Beschreibung bezieht sich auf das Exlibris für Emma Bacher. Sie war die Gattin des Wiener Juweliers und finanzkräftigen Kunstmäzens Paul Bacher, der 1904 die Galerie Miethke gekauft hat, um die von der Sezession abgespaltene Klimt-Gruppe aufzunehmen und ihr einen Ausstellungsort zu bieten. Nach dem Tod Paul Bachers hat Emma Bacher 1907 die Führung der Galerie übernommen und den Kontakt zu den Künstlern der Galerie (Gustav Klimt, Kolo Moser, Alfred Roller, Emil Orlik u.v.a.) weiter gepflegt. So ist auch der Kontakt zu Oskar Kokoschka zustandegekommen.

Durch Emma Bacher war die Verbindung zu Richard Teschner (Karlsbad 1879-1948 Wien) hergestellt, dessen Frau sie 1911 wurde. Richard Teschner, der an der Kunstakademie in Prag und im Jahre 1900 kurz an der Kunstgewerbeschule in Wien studierte, ist vor allem durch seine Beschäftigung mit Marionetten und durch die Schaffung des "Figurenspiegels" bekannt geworden, einer Marionettenbühne nach ostasiatischem Vorbild, die noch heute im Wiener Theatermuseum im Palais Lobkowitz Vorstellungen gibt und seine Spieltradition fortsetzt.