Seine Bedeutung liegt darin, dass er frühzeitig die Gefahren der malerischen Tendenzen für die angewandten Künste erkannte und eine Besinnung auf die Einfachheit, Echtheit und betonte Zweckmäßigkeit in Anlehnung an architektonische Vorbilder predigte. Diese Vorbilder waren Otto Wagner und sein Kollege Josef Hoffmann. Die Durchsetzung seiner Ideen im konservativen Wien war mit Kampf verbunden, doch durch die tatkräftige Schützenhilfe der Sezession ist sie ihm gelungen.

Der Kunsthistoriker Michael Pabst hat in seinem Buch "Wiener Grafik um 1900" dieses Exlibris wie folgt zu interpretieren versucht: "...die weibliche Trias ist auf Kolo Mosers "Exlibris für Fritz Waerndorfer" gleichaltrig jung. Hatte Klimt sich bei "Salve Saturne" an einem Plakat Mosers orientiert, so nimmt dieser nun eine Anleihe bei Klimt: seine Erdgöttin ist Klimts Kopf der Pallas Athene nachgestaltet: ein Stoffmuster aus konzentrischen Kreisen erinnert an das Dekor von Klimts Stoclet-Fries. Einen ungewohnten Anblick bieten die pfahlartigen Gewächse, die auf Mosers ExlibrisZeichnung vereinzelt aus dem Boden schießen. Kommt dem weitverzweigten Baum mit Blüten die Bedeutung des Lebensbaumes als Verbildlichung der früchtebringenden (weiblichen) Natur zu, so kann man diesen Pfählen einen phallischen Charakter nicht absprechen. Ihre Endungen sind aus zwei Spiralen gebildet, die, von zwei Seiten nach innen gerollt, einander berühren, ein Symbol, das, ähnlich dem Knotenpunkt der Kreisschlange, ein männliches und ein weibliches Element vereint. Im Gegensatz zum ausgreifenden Wachstum der Bäume und Pflanzen sind die Kräfte hier nach innen gekehrt. Diese Fixierung auf sich selbst kann auch auf psychischer Ebene als Narzissmus bezeichnet werden. Die Dominanz des Weiblichen auf Mosers Zeichnung durch die verführerische Attraktion der drei Grazien und die machtvolle Erdgöttin im Hinter- und Untergrund ausgedrückt, scheint hier ein Übergewicht zu bilden, das zu einer Fehlentwicklung des Männlichen führt. Narzissmus und Homosexualität des Mannes scheinen dieser Konstellation zu entspringen: sie könnten als Versuch der männlichen Psyche aufgefasst werden, dem Einfluss eines übermächtigen Weiblichen durch eine Abkoppelung zu entgehen."

Seine Frau, Dita Moser (Wien 1883-1968), geborene Mautner von Markhof, war ebenfalls Graphikerin und Entwerferin. Sie studierte an der Kunstgewerbeschule und trat für die Wiener Werkstätte durch den Entwurf von Kalenderblättern, Kinderspielzeug und einem Tarockkartenspiel in Erscheinung, welches in seiner geometrischen Klarheit den neuen Stil der Gebrauchsgraphik darstellte und Aufsehen hervorrief. Die Auflage war gering, die Verwendbarkeit durch die eigenwillige Kartengestaltung eingeschränkt und doch, vor allem bei den Spielkartensammlern, ein begehrtes Sammelobjekt.