scheff1Alfred Roller berichtet im ÖEG Jahrbuch 1910 über einen solchen Wettbewerb, der von Dr. von Brücke gesponsert worden ist, mit dem Resultat von 15 radierten Blättern zur Auswahl. Gewinner war Franz Renner der Fachklasse für Malerei des Kolo Moser. Auch Josef von Divéky und Rudolf Kalvach haben sich an diesem Wettbewerb mit Entwürfen beteiligt und später in ihrer künstlerischen Laufbahn auch wiederholt Exlibris geschaffen.

Durch die Vielzahl und das weite Spektrum der künstlerischen Aufgaben, denen sich die Künstler der Wiener Werkstätte in der Praxis gewidmet haben, ist für das Exlibris nur wenig Zeit geblieben. So ist das Exlibris - Oeuvre der Wiener Werkstätten-Künstler nur sehr beschränkt, und keiner kann eigentlich als Exlibris-Künstler im herkömmlichen Sinn eingestuft werden. Aus diesem Grunde sind die Exlibris, die man Künstlern der Wiener Werkstätte zuschreiben kann, von Seltenheitswert. Ihnen haftet das Flair der Exoten in einer Exlibris-Sammlung an. Sie unterscheiden sich von den anderen Blättern durch die Motivwahl, die Ornamentik, und auch die Drucktechnik. Das zeichnerische Element überwiegt, das Flächenhafte tritt in den Vordergrund, und die Neigung, Körperlichkeit auszudrücken, wird unterspielt oder vollkommen negiert. Bei den Motiven überwiegen figurale Darstellungen, wobei diese klar in den Mittelpunkt gerückt werden.

Symbolik oder Landschaften spielen eine untergeordnete Rolle. Das Ornamentale, sei es in der strengen geometrischen Form wie bei Dita Moser, oder mehr verspielt und frei wie bei Dagobert Peche ist eine wichtige Gemeinsamkeit in den Bucheignerzeichen. Dies setzt sich vor allem in der Schrift fort, die prägnant und oft dominant in das Blatt gesetzt wird, mit einem ungeheuren Einfallsreichtum, welcher auch zu theoretischen Überlegungen führte und Künstler auf den Plan rief, die sich nur der Schrift und ihrer Theorie widmeten. Das Zeichnerische in den Blättern bedingt auch die Technik der Reproduktion. Die Blätter werden meistens als Klischee vervielfältigt oder lithographisch ausgeführt. Die traditionellen Tiefdrucktechniken werden nicht angewendet.

Das wohl meistzitierte Exlibris in diesem Zusammenhang ist das Blatt für Fritz Waerndorfer, gezeichnet von Kolo Moser (Wien 1868-1918). Moser studierte an der Wiener Akademie und an der Kunstgewerbeschule, wo er 1900-1918 auch Professor war. Er war Mitbegründer der Wiener Sezession und mit zahlreichen graphischen Beiträgen Mitarbeiter der Zeitschrift "Ver Sacrum". Er war sicherlich einer der vielseitigsten und begabtesten Künstler Wiens um die Jahrhundertwende, wobei auch sein Organisationstalent hervorzuheben ist.