Dieser wurde jedoch interessanterweise nicht getan. Es ist kein Universal-Exlibris des Verlages der Wiener Werkstätte bekannt, was zu einem bestimmten Grade dennoch verständlich ist. Die potentielle Käuferschicht war finanziell so gut gestellt, dass sie sich ein individuelles Namens-Exlibris eines wichtigen Künstlers leisten konnte und ein Massenprodukt nicht annehmen würde. Der Hauch des Massenprodukts lastete dem Exlibris an, das durch die Überfülle an Blättern, die von Künstlern der dritten und vierten Reihe und von Sonntags-Graphikern zu dieser Zeit angefertigt wurden.

Die Exlibris-Künstler

Das Reservoir an Künstlern, aus dem die Wiener Werkstätte geschöpft hat, war vor allem die Wiener Kunstgewerbeschule, die dem Österreichischen Museum für Kunst und Industrie angeschlossen war. Das Museum wurde 1864 gegründet, die Schule 1867 angeschlossen. 30 Jahre später wurde die Schule einer Reform, die sie zu einer der fortschrittlichsten Kunstschulen auf dem Kontinent machte, unterzogen. Diese Reform ist möglich geworden, da das Kuratoriumsmitglied, der Architekt und Professor an der Wiener Akademie, Otto Wagner, der Überzeugung war, dass die "Kunst im Handwerk" gefördert werden müsse. Durch eine Abgrenzung zur elitären Akademie müssten Lehrkräfte an die Schule berufen werden, die Vertreter eines modernen Typus sind, und sich der Bedeutung eines "Nutzstils" und des "konstruktiven Prinzips" bewusst sind. Dies hatte zur Folge, dass eine ganze Generation von Lehrern der Schule ausgetauscht und durch "Sezessionisten" ersetzt wurde. Zum Direktor wurde Felicien Freiherr von Myrbach ernannt und zu Leitern der Meisterklassen Kolomann Moser, Josef Hoffmann und etwas später Alfred Roller berufen. Durch den Zustrom von Studenten aus den verschiedenen Völkern der Monarchie konnten sie über eine Fülle an Talenten verfügen, die schon während der Studienzeit oder knapp danach von ihren Lehrern zur Mitarbeit in der Wiener Werkstätte vermittelt wurden. Während des Bestehens der Wiener Werkstätte - bis 1932 - haben an die 200 Künstler mehr oder weniger wichtige Beiträge zum Sortiment der Firma beigetragen und sich so eine wertvolle Referenz geschaffen.

Noch während ihrer Ausbildung sind die Studenten mit dem Exlibris konfrontiert worden, und die Kunstgewerbeschule - heute ist sie die Hochschule für angewandte Kunst - hat immer wieder Exlibris-Wettbewerbe veranstaltet.