Die lange Bauzeit ist auf immer wiederkehrende finanzielle Schwierigkeiten der Wiener Werkstätten zurückzuführen und auch auf die Tatsache, dass 1907 die Ausführung des Auftrages der Ausstattung des legendären Kabaretts "Fledermaus" zu bewerkstelligen war. Und wieder hat eine Vielzahl der Künstler, die für die Wiener Werkstätte gearbeitet haben, ihren Beitrag geleistet, angefangen von dem Design des Mobiliars durch Josef Hoffmann über die Majolika-Auskleidung von Berthold Löffler und Michael Powolny bis zu der Gestaltung der Plakate und Programmhefte von Carl Otto Czeschka, Berhold Löffler, Moritz Jung und vom jungen Oskar Kokoschka.

Auch das Buch war ein wichtiger Wirkungsbereich der Wiener Werkstätte. Im Arbeitsprogramm ist darauf folgendermaßen Bezug genommen worden: "Der gute Einband ist vollkommen ausgestorben. Der hohe Rücken, das Heft mit Draht, der unschöne Schnitt, die schlecht gehefteten Blätter und das schlechte Leder sind unausrottbar. Der sogenannte Originalband, d.h. der fabriksmäßig hergestellte, mit Klischees reich bedruckte Umschlag ist alles, was wir besitzen. Die Maschine arbeitet emsig und füllt unsere Bücherkästen mit mangelhaft bedruckten Werken: ihr Rekord ist die Billigkeit. Doch sollte jeder Kulturmensch sich dieser Materialfülle schämen, denn einesteils bringt die leichte Herstellbarkeit eine geringere Verantwortlichkeit mit sich, während andernteils die Fülle zur Oberflächlichkeit führt. Wie viele Bücher sind wirklich die unseren? Und sollte man diese nicht in ihren besten Hüllen, auf bestem Papier, in herrlichem Leder gebunden, besitzen? Sollen wir vergessen haben, dass die Liebe, mit der ein Buch gedruckt, ausgestattet und gebunden wurde, uns in ein ganz anderes Verhältnis zu demselben bringt, dass der Umgang mit schönen Dingen uns selbst verschönt? Ein Buch soll als Ganzes ein Kunstwerk sein und muss dessen Wert als solches bemessen werden." Welch ein Bekenntnis zu dem übergeordneten Wesen des Buches, eine eindringliche Mahnung an die Qualität des Ganzen, von wo es zu einem wichtigen Detail im Buche, dem Exlibris, nicht mehr weit ist.

Der Werkstättenbetrieb verfügte über einen eigenen Verlag, der beispielsweise 1908 Kokoschkas Dichtung "Die träumenden Knaben" mit acht farbigen Lithographien herausgebracht hat. Desgleichen wurde auch die berühmte und heute Spitzenpreise erzielende Postkartenserie, die an die tausend Einzelnummern zählt, verlegt, und viele Künstler, wie Egon Schiele, Rudolf Kalvach, Ludwig Heinrich Jungnickel, Richard Teschner oder Josef von Divéky haben sich daran beteiligt. Auch andere unwichtig scheinende Dinge des täglichen Lebens wie Bilderbögen, Tisch- und Menükarten oder Weinflaschenetiketten wurden hier verlegt. Der Schritt von diesen gebrauchsgraphischen Produkten zum Exlibris wäre naheliegend gewesen.