Hedwig Dohm hätte Herrn Roessler wohl unter die Herrenrechtler eingereiht, sie hat bereits 1902 in Deutschland das Werk –„Die Antifeministen. Ein Buch der Verteidigung“ – veröffentlicht und darin vier Gruppen von Antifeministen beschrieben, darunter auch den Herrenrechtler, der aus Angst davor, von der Frau unterdrückt zu werden, durch Betonung seiner Oberhoheit seine Schwächen zu vertuschen sucht. 

      Hermine Heller-Ostersetzer: LithografieDiese Chance, mit Ihrer Kunst Missstände aufzuzeigen, aufzuklären, auf die Gesellschaft Druck zu machen, nutzten um die Jahrhundertwende 1900 bereits drei Grafikerinnen, Druckkünstlerinnen, an die ich kurz erinnern möchte. Käthe Kollwitz, die uns allen bekannte Kämpferin, die das Leid und Elend so ergreifend und dramatisch mit ihrer grafischen Technik festhielt und eine Bildsprache fand, die phonetisch nicht eindringlicher sein hätte können. Kaum bekannt ist aber Hermine Heller-Ostersetzer, auch „Österreichische Kollwitz“ genannt, die in ihrem lithografischen Zyklus „Das Leben der Armen ist bitterer als der Reichen Tod“ eine Darstellung des Elends in der Arbeiterschaft um 1900 gab, das realistischer auch mit Worten nicht beschrieben werden könnte. Ein Plakatentwurf von ihr wurde auf Betreiben der Damen des Kaiserhauses wegen zu realistischer Darstellung abgelehnt.

      Und hier schließt sich der Kreis, denn diese Nichtsolidarisierung mit dem eigenen Geschlecht hat wieder in der Unterdrückung der Frau ihren Ursprung, wobei natürlich im Kaiserhaus noch besonders das Wegschauen und Ignorieren der sozialen Missstände, insbesondere der schlechten Lage der Frauen, hinzukommt.

      Nicht unerwähnt möchte ich Lilli Rethi lassen, bei der der Ausspruch Pablo Picassos – „Kunst ist Arbeit“ – in physischer und psychischer Weise zutrifft, sie scheute sich nicht, stundenlang untertags zu Zeichnen, um die Welt der Arbeiter, der Maschinen festzuhalten. Der Lithografie-Zyklus Germinal (eine Illustration zu Balsac) zeigt Blätter von erschütternder Echtheit. Daneben entführte sie uns aber auch in eine Welt der Visionen, nahm bereits im Jahre 1922 das moderne Stadtbild voraus.