Doch in der Regel zeigt das weibliche Geschlecht heute keine großen Kämpferambitionen. Die Zeit der Suffragetten ist vorbei, viel wurde anscheinend erreicht, gefestigt ist nichts, ein neuer Feminismus ist angesagt. 

 

      KOLLWITZKätheNiewiederKriegUnd wieder sind es vor allem die bildenden Künstlerinnen, die sich hier einbringen können, sollen und müssen, in diesen „Post-Feminismus“. Sie können sich mit künstlerischen Mitteln wehren gegen die Abhängigkeit von Machtsystemen, Tabus und den eigenen psychischen Limitierungen, der eigenen weiblichen Sexualität. Sie bekennen sich zur Gleichwertigkeit der Geschlechtlichkeit.

      Auch die Kirche könnte einen weiteren Ansatzpunkt für eine bessere Entwicklung der Frauengleichstellung bieten, nämlich eine Anerkennung und Gleichstellung der Frau in allen Bereichen der Kirche, eine gelebte Gleichberechtigung vor Gott, ein gelebtes Wort Gottes. Aber dieses Thema ist so provokant wie alt und unlösbar, solange diese männliche Hierarchie nicht eine unheilbare Krankheit beziehungsweise Verwundung erleidet. Bis auf kleinere Erkältungen, in letzter Zeit auch heftige, selbst verschuldete akute Attacken, ist dieser Moloch noch sehr immun.

      Gerade weil die sogenannte Durchschnittsfrau in der Regel wenig Möglichkeiten hat sich zu wehren – sie läuft in der Alltagsroutine und in der sehr oft fast unvereinbaren Bewältigung von Familienbetreuung und Beruf, der Resignation entgegen – ist das künstlerische Potential der Frau aufs Neue gefordert, das uns ja nun bereits zugesprochen ist. Denn die Künstlerin hat ungeahnte aber leider sehr oft ungenutzte Möglichkeiten, um die Missstände aufzuzeigen, anzuprangern, sichtbar zu machen.

      Noch 1922 sah man die Sache anders und der bekannte Kunstkritiker Arthur Roessler entblößte sich als Ignorant der gesellschaftlichen Entwicklung durch die Aussage  ...“daß die Frau als Künstlerin, ebenso wie als Weib, vom Manne befruchtet werden muß, wenn sie hervorbringen, gebären will und soll. Was sie als Weib gebärt, ist des Mannes Kind, und was sie als Künstlerin hervorbringt, ist des Mannes Kunst“... Bedenkt man, daß diese aggressiven verbalen Attacken gegen die Frauen im Zuge einer Recension über die Künstlerin Tina Blau geschrieben wurden, so drängt sich mir der Verdacht auf, daß nicht nur die Angst vor dem Verlust der Vormachtstellung des Mannes in vielen Bereichen, sondern auch vielfach blanker Neid auf das künstlerische Potential der Frauen und langsam aber sicher auch die Erkenntnis der eigenen männlichen Defizite zu diesen abstrusen Theorien führte.